Geschichte
Behausungen und Verhalten im Lager

von Michael Rau (Erfurt),
mit freundlicher Genehmigung von

Ametas A m e t a s
Völkerkundliche Mitteilungen und Berichte

Der vorliegende Beitrag möchte überblickartig einen kleinen Einblick in die Vielfalt der von den Apachen benutzten Behausungen und ihre Verhaltensweisen im Lager geben.

Die Apachengruppen streiften über ein Gebiet, das vom westlichen Texas bis ins zentrale Arizona und vom nordöstlichen New Mexiko bis ins nördlich Mexiko reichte. So vielgestaltig wie die sie umgebende Umwelt war, so unterschiedlich waren ihre Lebensweise und Wohungen. Die Apachenstämme, d.h. die Mescalero-, Lipan-, Jicarilla- und Kiowaapachen, wohnten vorwiegend in dem als Tipi bekannten Zelt, während die Westapachen in konischen bzw. kuppelförmigen. mit Pflanzenmaterial bedeckten Hütten hausten. Letztere kannten hin und wieder, auch Hütten mit einer Firststange, von de Dach- und Wandfläche als eins beiderseits schräg nach unten führten. Die Mescaleros und Lipans, an der Nahtstelle zur Plainskultur sitzend, benutzten sowohl das Haupttipi als auch die mit Pflanzenteilen gedeckten Hütten. Gemäß den Behauptungen sehr alter Jicarillas war in früher Zeit ein kuppelförmiger, blätter- oder rindenbedeckter Rahmen ihre bevorzugte Behausung gewesen, der jedoch von dem bei ihnen Kozhan genannten Tipi verdrängt wurde. In den alten spanischen Quellen findet man Angaben, daß die Jicarillas neben Hautzelten auch aus Adobe gebaute Häuser benutzten, und von den Faraones (Anmerkung: Dies ist eine Apachengruppe, die am Canadian River lebte, von wo sie von den Comanche vertrieben wurden, sie zogen sich ins Gebiet von Albuquerque zurück und verschmolzen offenbar mit den Mescaleros) wird berichtet, daß sie Holzhäuser besaßen, deren Wände mit Lehm bestrichen waren.

Das kreisrunde Zelt hatte drei das Grundgerüst bildende Stangen, gegen die die anderen gelehnt wurde. Für die Mescaleros wird auch ein Vierpfahlgrundgerüst erwähnt. Die Gesamtzahl der Stangen schwankte zwischen 12 Stück bei den Mescaleros und maximal 16 bei den Lipans. Für die Stangen wurde vor allem Fichtenholz verwendet, das z.B. die Llanerobande der Jicarillas in den Bergen schneiden mußte, da in den Ebenen ihres Landes kein brauchbares Holz wuchs. Die Lipans nutzten außerdem Tanne und Zitterespe. Die Mescaleros, die ihr Zelt Kowa kodeti (Große Wohnung) nannten, verwendeten, wenn sie in den Ebenen campierten, Sotolstangen. Lagerten sie in der Bergwildnis, dann verarbeiteten sie neben den bereits oben genannten Hölzern auch Gelbe Pinie und Douglastanne. Die Mescaleros hatten mit 3,8 m den größten Zeltdurchmesser unter den Apachen, bei den anderen Abteilungen variierte er von 3,0 bis 3,8 m. Bei den Mescaleros bildeten 12, bei den Olleros (Anmerkung: Die Jicarillas haben zwei Banden, die Olleros und die Llaneros) 5 bis 6 und den Llaneros 10 bis 15 gegerbte und zusammengenähte Büffelhäute die Bedeckung für das Stangengerüst. Die Eingangsöffnung zeigte nach der windabgewandten Seite, was bei den Olleros gleichbedeutend mit der aufgehenden Sonne war. Die Häute wurden mit Pflöcke am Boden festgesteckt. Zur vorübergehenden Befestigung verwendeten die Lipans auch Steine an Stelle der Pflöcke. Mittels kurzer Stöcke wurden die Häute oberhalb des Eingangs zusammengesteckt. Die Jicarillas und Lipans bemalten die Zeltaußenseiten, die letztgenannte Abteilung z.B. mit realistischen Mustern wie Sonne und Büffel. An der Zeltspitze befanden sich Lüftungsklappen, die bei Regenwetter mittels zweier Stangen dichtgemacht werden konnten.

Die Mescaleros hatten des Weiteren zeitweilige Obdächer, bei denen nur ein Pfahl die am festgeflockte Hautbedeckung stützte. Auch hier konnten die Rauchklappen reguliert werden. In neuerer Zeit wurden die Büffelhäute durch Segeltuch ersetzt.
Die Spanier, die als erste mit den Apachen in Berührung kamen, waren beeindruckt von den Hundekarawanen der Plainsapachen. Immer wieder berichteten sie in ihren Expeditionsberichten davon. Bald jedoch ersetzte das Pferd den Hund als Lasttier. Jicarilla-, Mescalero-, Lipan- und Kiowaapachen benutzten das Pferd als Transportmittel für ihre Zeltdecken und -stangen, indem sie eine Art Schleife oder Rutsche, in der Fachliteratur als Travoi bezeichnet, von dem Pferd ziehen ließen. Die Llaneros verpackten die Zeltbedeckung auf dem Pferderücken und die Stangen wurde nachgezogen. Der Eigentümer lief oder ritt auf einem zweiten Pferd nebenher. Die Olleros teilten die Stangen zu gleichen Teilen und ließen sie von dem Pferd ziehen. Die Mescaleros nahmen nur einige Stangen mit, wenn sie ihr Camp abbrachen, um daraus die Rutsche herzustellen. Auf dieselbe wurde dann die Zeltbedeckung platziert. Natürlich wurde auf dem Travoi auch andere Gegenstände und auch Kinder und Alte sowie Kranke befördert.

Über den Aufbau eines Tipis berichtete ein Jicarilla einem amerikanischen Ethnologen folgendes : "Wenn die Büffelhäute abgeschabt worden sind, werden sie, bis sie weich sind, mit Gehirn eingerieben". Sieben Häute werden auf diese Weise präpariert und zum Trocknen auf dem Erdboden ausgebreitet. Die Häute werden auf dem Boden in Form der Hülle des Zeltes angeordnet. Eine ganze Haut wird so platziert, das sie die Hinterseite des Tipis bildet. Viele Sehnen wurden zum Winden von Schnüren vorbereitet, viele Frauen versammeln sich und helfen beim Nähen. Wenn die Häute zusammengenäht wurden, werden sie im Wasser untergebracht. Die Tipipfähle werden dann aufgestellt. Die Tipibedeckung wird an dem Pfahl, der an der Rückseite des Tipis zu stehen hat, befestigt und viele Frauen halten ihn. Während sie dies tun, pfeift eine der Frauen. Sie ziehen die Bedeckung von beiden Seiten zur Mitte, der Vorderseite des Tipis, und sagen "make it lap" (sinngemäß: an der Zeltvorderseite überlappen machen). Sie setzen über der Tür die Stäbe ein, welche sie auf geeignete Länge geschnitten haben. Die Bedeckung wird rundherum auf dem Boden mittels Holzpflöcken befestigt. Die zwei zum Halten der Klappen an der Rauchöffnung bestimmten Pfähle werden eingesetzt. Schließlich wird ein Feuerplatz gegraben. Während die anderen (Jicarillas) ringsherum sitzen, nimmt der Medizinmann einen Feuerbohrer und entfacht das Feuer. Die Frauen bereiten Nahrung für ein Festmahl. Am Abend versammelt sich das Volk. Bei Dunkelheit beginnt der Medizinmann zu singen und fährt damit bis zur Morgendämmerung fort. Sie essen etwas zu Mitternacht und wieder am Morgen. Die vom Nähen übriggebliebenen Sehnen werden mit einer Adlerflaumfeder versehen an der Tipiinnenseite verknüpft. Während des Winters dringt die Kälte nicht ein. Wird die Bedeckung hart, so wird sie zwischen den Händen bearbeitet, bis sie weich wird. Beim Lagerwechsel wird sie sorgfältig gefaltet und auf ein Pferd gepackt.

Die Tonto-, San Carlos-, Cibecue-, White Mountain- (Anmerkung: Diese vier Gruppen werden als westliche Apachen = Western Apaches bezeichnet) und Chiricahuaapachen bevorzugen im Gegensatz zu den Ostapachen eine Kowa (Wickiup in der englischen Literatur) genannte kuppelförmige und mit Pflanzenmaterial bedeckte Hütte, deren Errichtung langwieriger und umständlicher als der Aufbau des Tipis war. Die Hütten wurden von den Frauen errichtet. Für eine einigermaßen wetterfeste benötigten sie etwa drei Tage. Der Grundriss der Behausung war kreisförmig, der Durchmesser 3,6 - 4,5 m und die Höhe 2,4 - 4,5 m. Bis auf die Nordtontos und Huachucas (Anmerkung: Huachucas sind eine Abteilung der Chiricahuas, die eine Art Mittelstellung zwischen östlichen und westlichen Apachen einnehmen) grub man das Innere der Hütte ca. 10 - 20 cm tief aus und häufte zum Teil den überflüssigen Boden ringsherum auf. Die Pfähle, die das Gerüst bildeten, wurden 30 cm tief in der Erde eingegraben, am oberen Ende übergebogen und mit Yuccablättern oder Rohhautstreifen zusammengebunden. Cibecue-, White Mountain- und Warm Spring-Apachen (Anmerkung: Dies ist eine Abteilung der Chiricahuas) hatten 4 bzw. 3 Grundpfähle. Sowohl für die vertikalen als auch für die horizontalen Stangen des Gerüstes verwandten die Apachen Eiche, Weide oder Ocotillo. Für die Bedeckung des Gerüstes benutzten die Südtontos innen Red grass und Big grass, für die Außenseite Beer grass. Bei den anderen Stammesgruppen war letzteres sowie in selteneren Fällen Big blue stem grass gebräuchlich. Die Bedeckung wurde schindelartig mit Yuccablättern festgebunden. Rinde oder Wacholderzweige als Deckschicht waren nur bei den Warm Springs Apachen zu finden. Die an der windabgewandten Seite befindliche Türöffnung war 1,2 - 1,8 m hoch, und die Chiricahuas befestigten davor eine an einem Querstab schwenkbare Haut. Die Tonto- und Cibecueapachen verlängerten den Eingang tunnelartig als Windschutz. Die Südtontos errichteten zusätzlich einen Windschirm vor dem Tunnel. Nur ein Windschirm am Hütteneingang war bei den San Carlos-Apachen Gepflogenheit. Um den Bau wetterbeständiger zu machen, legten beispielsweise die Chiricahuas Tierhäute über die Pflanzenbedeckung, besondere über den Teil, worunter sich das Ruhelager befand. Auf vielen zeitgenössischen Abbildungen sieht man Segeltuch und Zeltplanen über das Grasdach geworfen.

Einfache und doppelte "Lean-to" (an Querstange gelehnte Wand aus Ästen und Gras) wurden als zeitweilige Obdächer bei den White Mountain- und Warm Springs-Apachen errichtet, während dachlose Windschirme bei allen üblich waren. Felsabdächer für die Wintermonate wurden nur für die Huachucas nachgewiesen.

Das Innere der Hütten der westliche Apachen war sehr einfach und bescheiden. Es wurde von Strauchwerk- und Grasbetten, über die Häute gebreitet waren, begrenzt. Die Haushaltsgegenstände waren zweckmäßig: geflochtene flache Schalen, große ebenfalls geflochtene Tragkörbe zum Sammeln von Wildfrüchten, pechüberzogene, geflochtene Wasserbehälter, einige wenige rohe Tontöpfe, höchstens mit Ritzmuster verziert, Kürbistassen, Haut-, Kürbis- und Holzschüsseln. Umschlagähnliche Rohhautbehälter enthielten überschüssige Kleidung und Nahrung. Metate (Reibplatte) und zigarrenförmiges Mano (Reibstein) sowie Stein- und Knochenstößel lagen griffbereit. Hinzu kamen Ahlen, Pferdeschwanzhaar- und Rohhautseile, ein Feuerbohrer und Kämme von getrocknetem und gefaltetem Gras oder Mescalblatt.

In der Hütte oder um dieselbe lagen die Reitutensilien, wie Sättel, Zäume, Gebisse und Satteltaschen. Ebenso fehlten nicht die Jagd- und Kriegsgerätschaften: Bogen und Pfeile, Köcher, Bogenbehälter, Schild, Handgelenkschutz, Speer, Schleuder, Feuersteinmesser und Keulen.

Weniger sichtbar waren die Zeremoniegegenstände in der Hütte untergebracht: Hirsch- oder Elkhufrassel, Topftrommel, Hirschlederbeutel mit Blütenstaub und anderen zeremoniell gebrauchten Substanzen sowie persönliche Paraphernalia für die individuellen Riten der Bewohner der Hütte. Hin und wieder barg eine solche Apachenwohnung eine Flöte oder eine auf europäischen Einfluss zurückführende einsaitige Fiedel.
General Howard, der 1872 den legendäre Chiricahuahäuptling Cochise aufsuchte, beschrieb dessen Camp (Anmerkung: Die Lager von nomacischen Indianerstämmen werden im Amerikanischen als "Camp" bezeichnet. Während die Spanier und Mexikaner die Bezeichnung "Rancheria" verwendeten). Sinngemäß heißt es bei ihm, dass Cochise Biwak aus ein paar gegen eine "Scrub-oak" (Eichenart), die nahe einem hohen Felsen wuchs, gelehnten Ästen bestand. Ein Schlafplatz war darunter in der Erde ausgehöhlt. Der Hausrat setzte sich aus mehreren Wildledern, von denen das Haar nicht entfernt worden war, einigen Decken, die schon lange in Gebrauch waren, einigen Bögen und Pfeilen, einer Rifle (Gewehr mit gezogenem Lauf) in erstklassigem Zustand, vier Sätteln, Zügeln, Hautpferdeschuhen (über Hufe gezogen zur Geräuschdämpfung und zum Schutz der Pferdefesseln), einer Zahl Messer, einem kleinen Blechgefäß für Kaffee, einem Wassereimer und einer Olla (irdenes Wassergefäß) zusammen.

Offensichtlich handelte es sich hier nur um ein vorübergehende Lager, wie aus der Beschreibung hervorgeht. Es zeigt aber, dass die Besitztümer eines bedeutenden Anführers im Wesentlichen die gleichen waren, wie die seiner Gefolgsleute. Gleich jedem anderen Menschen war der Apache bestrebt, dass seine Stammesangehörigen eine gute Meinung über ihn hatten. Das erreichte er, indem er versuchte, möglichst umfassend den indianischen Umgangsformen, Gewohnheiten und zeremoniellen Vorschriften gerecht zu werden. Befolgte er dieselben, dann war ihm auch die Gunst der übernatürlichen Wesen sicher. Bemerkenswert ist die enge Durchdringung von selbst alltäglichen Tätigkeiten und Unternehmungen mit mythologischen und religiösen Gedankengut und Restriktionen.

So galt es beim Lagerabbruch bestimmte Regeln zu beachten. Verließen beispielsweise die Chiricahuaapachen einen Lagerplatz, musste die Feuerstelle sauber verdeckt werden und das Strauchwerk, das als Unterlage für den Schlafplatz gedient hatte, gesammelt und zu einem ordentlichen Haufen aufgeschichtet werden. Sie sagten, dass Kojoten, Krähen und andere schädliche Vögel und Tiere kämen und auf diesen Platz urinierten und den Darm entleerten, wenn das Lager so verlassen wurde, wie es in Gebrauch gewesen war. Dadurch erlitt die Person, die das nicht beachtete, ganz gleich wo sie sich befand, Schaden, da eben alles noch so angeordnet war, als wäre es besetzt.

Ein weiterer Grund wird für das Aufhäufen von Gras, Blättern und Zweigen, die als "Matratze" gedient hatten, von den Chiricahuas genannt. Starb ein Chiricahua und das "Bett" war nicht in der geforderten Weise aufgeräumt, so würde die letzte Ruhestätte des Toten so aussehen, wie das unordentlich verlassene Lager als er noch lebte. Einmal konnte dem Verstorbenen Schaden daraus erwachsen, zum anderen betrübte dies die Freunde und Verwandten des Toten.

Im Zusammenhang mit den Lagergewohnheiten soll noch erwähnt werden, daß jedes Lager der Chiricahuas, ganz gleich wie groß es war, eine Nachtwache hatte, besonders dann, wenn Gefahr drohte. "Dieser Späher ist nicht besonders ausgewählt. Er ist irgendeiner, der sich berufen fühlt und der willig ist, es zu tun. Es gibt hierfür keine Organisation," berichtete ein Chiricahua. Erhielten sie die Information einer Annäherung des Feindes, so wurden schnelle Läufer zu den in der Nähe lagernden Stammesangehörigen geschickt, die die Nachricht überbrachten. Bei größerer Entfernung ritt der Bote, weil "Pferde stärker sind und nicht so schnell hungrig und durstig werden," wie es die Chiricahua ausdrückten.

Wenn ein Chiricahua das Camp eines anderen besuchte, so hustete oder räusperte er sich laut, um den Campbewohner anzuzeigen, dass sich ein Besucher nahte. Der Hausherr des Camps sagte daraufhin, wenn er mit seinem Weib und Kindern in der Hütte war: "Hier bin ich, komm herein". Bis der Gast dann in der Hütte war und sich niedergesetzt hatte, waren die Kinder bereits in Ordnung. Kam eine Person ohne Husten herein, betrachteten die Chiricahuas sie als unhöflich.
Gäste saßen gewöhnlich neben dem Eingang, obwohl es keinen vorgeschrieben Sitzplatz für Besucher gab. Auch wenn viele Menschen in der Hütte waren, so platzierten sie sich meist nahe dem Eingang, weil dieser Platz unbesetzt und der bequemste war. Auf ein Bett setzte sich ein Besucher erst dann, wenn er dazu aufgefordert wurde.

War ein Besucher in der Hütte, so mußten gewisse Vorschriften eingehalten werden. Beim Betreten oder Verlassen einer Hütte durfte eine Person keine andere berühren oder gegen eine andere drücken, vor allem nicht gegen Besucher und Fremde. Der Besucher musste von sich aus verhindern, dass der Passierende ihn berührte oder drückte.

Die besuchte Person verließ nach Möglichkeit während der Dauer des Besuchs nicht ihre Behausung, da das als sehr unhöflich galt. Musste sie doch gehen, so sagte sie: " I´am going to walk there by you".

Wenn sich in der Hütte eines Chiricahuas einige Personen versammelt hatten und es wurde eine Unterhaltung geführt oder Geschichten erzählt, so hatte sich jeder Besucher, der hinausging, um sich zu erleichtern, zu entschuldigen. Die Versammelten wollten wissen, wohin er ging. So konnte der Hinausgehende z.B. sagen: "Ich muss hinausgehen, um dieses Pferd zu hüten", oder "Ich habe mein Pferd bei den Vorbergen angehobbelt" (Anmerkung: anhobbeln bedeutet, daß die Vorderbeine zusammengebunden wurden, damit das Pferd nur kleine Schritte machen konnte) und will es zum Wasser treiben. Es hat den ganzen Tag kein Wasser bekommen". Oder man sagte: "Richtig, ich habe mich um irgendetwas zu kümmern", gerade so als ob man sich plötzlich am irgendetwas erinnert. Kannten sich zwei Männer gut und Weib und Kinder waren nicht zu Hause, so sagte man einfach "Ich gehe hinaus".

Die Frauen entschuldigten sich ebenfalls. Sie sagten beispielsweise: "Wohin sind meine Kleinen gegangen ?, ich will nachschauen, wo sie sind".

Gutes Benehmen, Anstand und Höflichkeit zeigten sich bei den Apachen auch in ihrem Verhalten bei Gesprächen und beim Grüßen. Sehr vornehme Chiricahuaapachen sagten beim Auseinandergehen zu einem Freund, Verwandten oder Bekannten folgendes: "Mögen wir leben und einander wiedersehen". Bei der Rückkehr nach einer langen Abwesenheit bestand die förmliche Art des Ausdrückens der Freude und des Grußes in einer Umarmung. Die Umarmung eines Freundes bedeutete, daß man viel von dem Umarmten hielt. Bereits in alter Zeit war bei den Warm Springs-Apachen das Händeschütteln eine Form des Grußes und die Frauen der Huachucas- und Warm Springs-Apachen pflegten den Tränengruß. Durch Trennung hervorgerufene Einsamkeit kannte eine besondere Behandlung. "Wenn du einsam bist, wenn du irgendjemand verloren hast oder wenn deine Tochter weggegangen ist, und du die ganze Zeit besorgt bist, legen sie vier Mal einen Korb über deinen Kopf und dann bist du in Ordnung. Jetzt (nach 1910) verwendet sie auch einen Eimer oder Sack", berichtete ein Chiricahua. Wenn sich ein Freund dem Camp näherte, gab es keine Redewendung wie "Guten Morgen" oder "Guten Abend", sondern sie sagten irgend etwas. Das erforderte Gewandtheit, denn der Name einer Person durfte nicht genannt werden und es musste etwas zur Situation passendes sein, wie zum Beispiel: "Wo bist du gewesen ?.

Bei einer bedeutenden Unterhaltung oder Diskussion, in der Besucher sprachen, zeugte es von gutem Benehmen, wenn Interesse und Aufmerksamkeit von den Zuhörern in Form von Gemurmel der Billigung und Ausrufen der Bestärkung, Ermutigung oder Aufmunterung geäußert wurden. In einer geselligen Versammlung beim Geschichtenerzählen zeigten die Chiricahua Interesse und ausgezeichnetes Benehmen durch intervallmässiges Ausrufen von "he, he" oder sie sagten "do à", was mit "Tatsächlich" oder "Ja, ja mach weiter so!" übersetzt werden kann. Frauen sagten es langsamer, "doya", und mit höherer Stimme. Dieses Wort wurde sehr häufig gebraucht. Nicken mit dem Kopf und Unterbrechen eines Sprechenden mit dem bejahenden Füllwort "ao, ao" oder "um, um" in Form unseres Applauses, waren ebenfalls Zeichen der Zustimmung zur Rede der sprechenden Person.

Literaur zum Thema:
CURTIS, E.S. : The North American Indian, vol.1. New York 1907
GIFFORD. E.W. : Culture Distributions: Apache - Pueblo. Anthropologial Records, vol.4, no.1. Berkeley 1941
GODDARD, F.Z. : Indienz of the Southwest, New York 1913
HOWARD, O.O.: My life and experiences smong our hostile indians, Hartford 1907
OPLER, M.E.: A summery pf Jicarilla Apache culture, American Anthropologist, vol.38, Nenesha 1936
OPLER, M.E.: Myths ans tales of the Jicarilla apache indians. Memoirs of the american folklore society, vol. XXXI., New York 1938
OPLER, M.E.: An Apache life way, University of Chicago Press 1941
THOMAS, A.B.: After Coronaco, Norman, Oklahoma 1966
 

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